SPEECHES

31th October 2017

Rede von Staatspräsident János Áder anlässlich des staatlichen Festakts zum Reformationjubiläum 2017 am 31. Oktober 2017 in Wittenberg

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Staatspräsident,
sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
meine Damen und Herren, meine lieben Freunde!

1537 schrieb Philipp Melanchthon einen Brief an einen hoch kultivierten, weit gereisten ungarischen Großgrundbesitzer, Thomas Nádasdy.

Dabei sind es erst 20 Jahre, nachdem die wohl bekannten 95 Thesen angeschlagen wurden, aber Melanchton – er unterrichtete an der Universität Wittenberg und war ein Freund und Mitstreiter Luthers – konnte bereits einem ihm unbekannten ungarischen Adligen, Thomas Nádasdy eigene ungarische Studenten empfehlen, der sich wiederum anschickte, eine protestantische Schule in Ungarn zu gründen.

Damals erlebte Ungarn, der Eroberung durch das Osmanische Reich ausgesetzt, von andauerndem Krieg gegeißelt und in mehrere Teile zerrissen, schwere Zeiten. Der Freund Luthers zeigte jedoch Mitgefühl mit den Ungarn, die inmitten schwerer Schläge die Lehren Luthers und seiner Mitstreiter mit besonderer Sensibilität erhört haben. Er hielt es für löblich, dass jemand selbst unter solchen Bedingungen seine Aufmerksamkeit lebensspendenden Wissenschaften widmet. Denn wer dies tue – so schrieb Melanchton – denke an die Nachwelt. Er diene treu seiner Heimat, mehre das Wissen und beschützte „Tugenden der Familie und der Nation“. Er vertraue aus den „kommenden Frieden“ und auf eine „bessere Zukunft Pannoniens“.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Aus dem Ungarn des 16. und 17. Jahrhunderts machten sich Hunderte auf, in den neuen Hochburgen des Protestantismus den reformierten Glauben zu hören und zu studieren – um ihn den ihren mit nach Hause zu bringen. Die Blüte der neuen Generation zukünftiger Lehrer, Prediger und Stützen der Gemeinschaften gingen auch hier, in Wittenberg ein und aus.

Zu der schnellen Verbreitung des Protestantismus hat auch beigetragen, dass der reformierte Glauben die Muttersprache des Volkes sprach. Es wurden Schulen und Druckereien gegründet, um den Glauben zu predigen, die Bibel wurde übersetzt und neue Tore in der Bildung aufgeschlagen.



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