Rede von Staatspräsident János Áder anlässlich des staatlichen Festakts zum Reformationjubiläum 2017 am 31. Oktober 2017 in Wittenberg



Und während Europa noch in der religiösen Intoleranz einander geißelnden Lehren brannte, wurde 1568 im Fürstentum Siebenbürgen – in vielerlei Hinsicht den evangelischen Siebenbürger Sachsen geschuldet – im ungarischen Sprachraum, in ungarischer Sprache die Gewissensfreiheit verkündet. In ähnlicher Form zu dem, was wir heute, im 21. Jahrhundert darüber denken.

Kaum mehr als 50 Jahre nach der Wittenberger Wende, 1568 wurde in dem in Thorenburg abgehaltenen Siebenbürgener Parlament zum Gesetz erklärt, dass ein jeder Mensch, eine jede Gemeinschaft das Recht habe, sein Bekenntnis, seinen Priester und seine Kirche frei zu wählen. In diesem Recht könne nichts und niemand sie hindern. Die Freiheit des Glaubens sei weder von einem Fürsten, noch von einem Gutsherrn abhängig. Niemand dürfe wegen seines Glaubens einen Nachteil erleiden oder könne für sein Bekenntnis verfolgt werden.

So wurde es in Siebenbürgen und in ganz Ungarn selbstverständlich, dass an Stelle des Glaubens des Herrscherhauses oder der Provinz mitunter auch in einem einzigen Dorf die Kirchen von zwei, drei Gemeinden friedlich Seite an Seite gestanden haben. Ihre Mauern standen auf der gleichen Erde, ihre Türme ragten in den gleichen Himmel, um zu beweisen, was man in Thorenburg so formuliert hat: „der Glaube ist Gottes Geschenk“.

Heute, wenn wir auf die vergangenen 500 Jahre zurückblicken, ist es für uns Ungarn ein Leichtes – ganz gleich, welcher Konfession wir angehören dürften – neben dem Geschenk des Glaubens die Geschenke der Reformation aufzuzählen. Die Aufrichtigkeit des Protestantismus. Das immerwährende Recht, fragen zu dürfen. Die im Kreuzfeuer des Disputs gestählte Suche nach Wahrheit. Ausgesprochen zu haben, dass der Glaube persönlich und Gedanken frei sind. Den Humanismus des Glaubens. Die Verbreitung des muttersprachlichen Unterrichts. Das geschriebene Wort zum aktiven Verb werden zu lassen. Die Bestärkung, an unserer Nation festzuhalten. Die Fähigkeit, unsere deutsche und ungarische Identität zum Ausdruck bringen zu können.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurden über tausend Studenten aus Ungarn an der Universität in Wittenberg immatrikuliert. Beinahe alle namhaften Repräsentanten der ungarischen Reformation haben diese Stadt bereist.



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