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Rede von Staatspräsident János Áder anlässlich des staatlichen Festakts zum Reformationjubiläum 2017 am 31. Oktober 2017 in Wittenberg



In ihrem Gepäck war vielfach ein Büchlein zu finden, das sie nach Wittenberger Brauch und mit der Ermunterung ihrer Professoren stets bei sich behielten. Dieses kleine Büchlein wurde als album amicorum bezeichnet. Die Studenten haben in diesen Büchern die Eintragungen, Ermunterungen und Bezeugungen derjeniger gesammelt, denen sie im Zuge ihrer Reise begegnet sind. Derjenigen, die sie, ihre Weltanschauung und ihre Denkweise geprägt haben. Derjenigen, von denen sie gelernt und mit denen sie Freundschaften geschlossen haben, die ihren Charakter formten. Album amicorum. Das Buch der Freundschaft.

Viele-viele Seiten der Geschichte der Ungarn wurde in ähnlicher Weise von den Tausend Jahre mit uns verbundenen, vielfach und vielfältig auf uns wirkenden Deutschen gefüllt. Mit tausenden von Beispielen des Austauschs in der Politik, über Ideen, in der Kultur und im Alltag. Als wir aufeinander zählen konnten, haben wir uns stets als aufmerksame Freunde erwiesen und wurden mit den Erfahrungen des Anderen bereichert.

Die uralte Quelle unserer Zusammenarbeit liegt darin, dass wir uns – im Zuge der mit uns im Karpatenbecken lebenden deutschsprachigen Gemeinschaften – seit Jahrhunderten gut kennen und gut verstehen. Wir waren und sind uns Helfer, Kooperationspartner und Verbündete. In historischen Gesten haben wir gleich mehrfach gezeigt, dass die Liebe zum Frieden des auf ein christliches Wertesystem aufgebauten Europas uns zu einer Gemeinschaft werden lässt, die uns alle unsere Eigenheiten überkommen lässt.

Bei diesem wichtigen Jubiläum lege ich – auch in Anbetracht des Schicksals des gemeinsamen Europas – den Deutschen und Ungarn den Gedanken des Siebenbürgener Fürsten István Bocskai nahe, der für die Akzeptanz der Reformation kämpfte. Den Gedanken von Bocskai, der in seinem Testament die Gläubigen zu der „schönen Einheit untereinander“ ermunterte. Und er gab uns – Ungarn und Deutschen – mit auf den Weg:

„Die Freiheit unseres Glaubens, unseres Gewissens und unserer alten Gesetze höher zu schätzen als jedes Gold.“



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